Über 7000 Feminist:innen fordern am 08. März in Stuttgart einen politischen und gesellschaftlichen Wandel

Am 08. März 2026, dem internationalen feministischen Kampftag, haben sich 7.500 Feminist:innen auf dem Stuttgarter Schlossplatz versammelt, um gemeinsam für Gleichberechtigung zu demonstrieren. Im Fokus des diesjährigen 08. März stand die Verbindung von Frauen- und Arbeitskämpfen, die zunehmende Gewalt gegen Frauen, trans, inter, nicht-binäre und agender Personen (FLINTA*), sowie die Angriffskriege auf Rojava und den Iran.
Krisen, kriminelle Eliten und Kriege
Die frauenfeindlichen Verbrechen von Mächtigen weltweit, offengelegt durch die Epstein-Akten, die Angriffskriege auf Rojava, Palästina und Iran, sowie der massive Sozialabbau hierzulande zeichnen ein gemeinsames Bild: Der patriarchale Kapitalismus führt uns in eine Abwärtsspirale aus Unterdrückung, Armut und Leid. Statt Gleichberechtigung und kollektiver Fürsorge, dominieren Profitinteressen und der Kampf um Ressourcen die aktuelle Politik. Unsere Antwort darauf kann nur in der feministischen Selbstorganisation liegen. Das wurde dieses Jahr sowohl bei den Reden und Aktionen, wie auch durch die Parolen auf der Demo deutlich.


Starke Reden und eine kämpferische Demo
Die Auftaktkundgebung startete mit einer Rede von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die NGG-Frauen verurteilten die verschiedenen Formen der Unterdrückung, denen Frauen ausgesetzt sind, beispielsweise durch sexualisierte Gewalt und schlechtere Bezahlung am Arbeitsplatz.
Es folgte eine Rede von Feminists4Jina, die das unterdrückerische iranische Regime scharf kritisiert und gleichzeitig den Angriffskrieg von Israel und den USA gegen den Iran verurteilt. F4J macht deutlich: Bomben befreien nicht, sie töten! Ein gleichberechtigtes, gutes Leben für alle Geschlechter kann es im Iran nur geben, wenn das Recht auf kollektive Selbstbestimmung durch die Bevölkerung des Irans gewahrt wird.
Selbstbestimmung war auch der Schwerpunkt der nächsten Rede. Janka Kluge, Sprecherin des Netzwerks LSBTTIQ gab sehr persönliche Einblicke in ihr Leben als trans Frau und prangerte an, dass an der Finanzierung von Beratungsstellen und Vereinen für queere Menschen immer weiter gekürzt wird. Es liegt an uns, unser Recht auf körperliche Selbstbestimmung zu erkämpfen!
Mit lila Bannern, Konfettikanonen und Parolen wie „FLINTA* kämpfen international, gegen Faschismus, Krieg und Kapital“ zog im Anschluss eine bunte und eine kämpferische Demo durch die Stuttgarter Innenstadt. Unter lautem Jubel aus der Demo wurde am Gewerkschaftshaus ein Banner mit der Aufschrift „We care – capitalism doesn’t“ gedroppt, denn: Im Kapitalismus gibt es keine Befreiung von FLINTA*s!




Nachdem Demozug versammelten sich wieder Tausende von Menschen auf dem Schlossplatz. Auf der Abschlusskundgebung sprach zuerst eine Kollegin und Ver.di Vertrauensfrau des Klinikums Stuttgart. In ihrer Rede gedachte sie ihrer Kollegin Maha, die Ende Januar Opfer eines Femizids wurde. In einem System, das auf der Diskriminierung und Ausbeutung von Frauen aufbaut, wird es immer Gewalt gegen Frauen geben, so die Sprecherin.
Dass die Antwort darauf in der Selbstorganisation und feministischen Solidarität liegt, darum ging es auch in den musikalischen Beiträgen des feministischen Chors, der zwei Lieder für uns sang.

In der demokratischen Selbstverwaltung Rojava hat die kurdische Bewegung die Utopie von einer gleichberechtigten, feministischen und selbstorganisierten Gesellschaft wahr werden lassen. Die kurdische Fraueninitiative Meryem sprach von den Erfolgen der Rojavarevolution, den Angriffen der syrischen Übergangsregierung und dem starken und mutigen Widerstand der Frauen. Mit lauten „Jin Jiyan Azadi“-Rufen zeigten die Demoteilnehmenden ihre Solidarität.
Der letzte Redebeitrag wurde vom Feministischen Frauen*Gesundheitszentrum (FF*GZ) gehalten. Während Schwangerschaftsabbrüche weiterhin kriminalisiert werden, ist die Geburtenvorsorge in Deutschland strukturell unterfinanziert und für Menschen mit wenig Deutschkenntnissen nur schwer zugänglich.
Angesichts der vielen Angriffe auf feministische Errungenschaften, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, machten FLINTA* am 08. März sehr deutlich: Wir sind wütend, wir haben es satt und wir fordern einen echten Wandel hin zu einer sozialen, inklusiven und feministischen Gesellschaft! Mit bunter Straßenmalkreide wurden die feministischen Forderungen auf dem gesamten Schlossplatz hinterlassen.
Aufruf zur feministischen Selbstorganisation
Ein großes Dankeschön an alle, die zu diesem kämpferischen 08. März beigetragen haben und mit uns auf der Straße waren. Wir halten zusammen und kämpfen feministisch – jeder Tag ist 8. März! Gemeinsam können wir etwas verändern, also schließt euch an und organisiert euch!








